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Ich habe fast drei Stunden im Dogenpalast verbracht und trotzdem nicht geschafft, jeden Saal in Ruhe anzuschauen. Der Palast ist in mehrere Bereiche aufgeteilt, jeder beeindruckt auf seine Art. Die Prunkräume im zweiten Stock sind mit riesigen Gemälden von Tintoretto und Veronese geschmückt, die Decken so dicht vergoldet, dass einem die Augen übergehen. Der Saal des Großen Rates nimmt ein ganzes Stockwerk ein, dort versammelten sich einst bis zu zweitausend Patrizier.
Über die Seufzerbrücke gelangt man ins Gefängnis, wo die Zellen noch Inschriften von Gefangenen an den Wänden bewahrt haben. Der Kontrast zur Pracht der Säle ist krass, aber gerade er zeigt, wie der Doge wirklich war. Dann gibt es noch die Waffenkammer mit einer Sammlung von Schwertern und Rüstungen, Geheimgänge zwischen den Stockwerken, winzige Kabinette für Verhöre.
Tickets kauft man besser online, denn die Schlange an der Kasse zieht sich eine Stunde lang. Ich kam um acht Uhr morgens, als sie gerade aufgemacht haben, da kann man die Details normal anschauen ohne Gedränge.
Kann man Tickets für den Dogenpalast über das Internet kaufen? Falls ja – nennen Sie mir bitte eine vertrauenswürdige Website, denn ich habe Angst, auf Betrüger hereinzufallen. Und wie viele Tage vor dem Besuch sollte man am besten reservieren, besonders wenn man im September fährt?
Margot
Ich bin mit Audioguide rumgelaufen und der hat über jeden Saal einzeln erzählt. Die Sala del Maggior Consiglio hat mich mit ihrer Größe beeindruckt, dort ist die Decke mit Allegorien bemalt und an den Wänden Schlachtenszenen. Dann gibt es noch die Sala dello Scrutinio, wo die Stimmen bei den Dogenwahlen ausgezählt wurden, dort hängen auch riesige Bilder von Seeschlachten.
Mich hat die Sala della Bussola berührt, ein kleiner Raum mit Holzverkleidung, wohin man zum Verhör gerufen wurde. In der Wand ist ein Schlitz für anonyme Denunziationen eingeschnitten, da warfen sie Zettel mit Anschuldigungen rein. Die Appartements des Dogen wirken bescheidener als die Prunkräume, aber dort gibt es eine persönliche Kapelle mit Fresken.
Der Dogenpalast ist nicht einfach ein Museum, sondern die Verbindung mehrerer Funktionen in einem Gebäude. Ich habe dort Regierungssäle gesehen, wo die venezianische Republik arbeitete, Gerichtszimmer mit Bänken für Sitzungen, Kanzleien mit Holzschränken für Dokumente. Im Gefängnistrakt sind die Zellen auf verschiedenen Ebenen angeordnet, einige unter dem Dach wo im Sommer höllische Hitze herrscht, andere unten am Wasser wo ewige Feuchtigkeit und Kälte ist.
Die Gemälde machen fast die Hälfte der Eindrücke aus. Ich bin kein Kunstkenner, aber selbst mir wurde klar, dass die Venezianer bei den besten Künstlern ihrer Zeit in Auftrag gegeben haben. Das „Paradies“ von Tintoretto nimmt eine ganze Wand ein, es ist das größte Gemälde auf Leinwand der Welt. Skulpturen gibt es weniger, hauptsächlich auf den Treppen und im Innenhof.
Ich bin auf die Führung Itinerari Segreti gestoßen, die geht durch versteckte Routen des Palastes. Sie zeigen Archive, Dachböden, einen Gang durch den der Doge unbemerkt zwischen den Sälen hin und her gehen konnte. Wir waren in der Folterkammer, obwohl dort nichts Schreckliches mehr übrig ist, nur Deckenbalken und schmale Fenster.
Der Führer erzählte über das Spionagesystem, das die Venezianer bis zur Perfektion verfeinert hatten. Die Kanzlei der Geheimpolizei ist so angeordnet, dass man auf mehreren Wegen dorthin gelangen konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Diese Führung kostet mehr als der normale Eintritt, aber danach versteht man den Aufbau des Palastes ganz anders.
Ich habe mir das Kombiticket Museum Pass geholt, damit bekommt man auch Zugang zu den Museen am Markusplatz. Die Route im Palast ist einseitig, zurückgehen ist unbequem wegen des Besucherstroms. Fotografieren kann man überall, außer in ein paar Sälen wo Warnschilder hängen.
Der Aufstieg in den zweiten Stock geht über die Scala d’Oro, die vergoldete Treppe, die ist schon für sich eine Sehenswürdigkeit. Einen Aufzug gibt es nicht, damit muss man rechnen. Ich habe für die Besichtigung zweieinhalb Stunden gebraucht, aber man kann es in einer Stunde schaffen wenn man schnell geht. Toiletten gibt es nur im ersten Stock beim Ausgang.
Die Seufzerbrücke hatte ich mir romantisch vorgestellt, aber als ich von der Palastseite zum Gefängnis rüberging, verstand ich woher der Name kommt. Die Fenster sind dort wirklich klein, die Gitter dick, die Verurteilten sahen Venedig zum letzten Mal vor der Gefangenschaft. Die Brücke selbst ist eng, die Decke niedrig, die Wände aus Stein ohne Verzierung.
Die Gefängnisse Pozzi unten am Kanal sind selbst im Mai kalt, ich spürte die Feuchtigkeit auf der Haut nach einer Minute. Die Zellen Piombi unter dem Bleidach beschrieb der Führer als Hölle im Sommer, wenn sich das Metall in der Sonne aufheizte. Casanova floh genau von dort, jetzt hängt da eine Tafel über seine Flucht.
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